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Wieviel Literatur läßt sich in eine Rezension einfassen? Wieviel Literatur verträgt eine literarische Besprechung überhaupt? Wie geht sie damit um? Und taugt sie selbst gar zur Literatur?
Wir lesen heute viel und gerne, aber mit veränderten Vorzeichen. Anna Karenina und ihre 1000+ Seiten verlangen Zeit und Aufmerksamkeit, entgegen den Lesegewohnheiten, wie sie die elektronischen Medien im Informationszeitalter ausbilden. Kurz, knapp, konzis, bis hin zum modularen Textbaustein, gilt Schreibern und Lesern gleichermaßen als Devise. Und wer stöbert heute nicht nach einer passenden Amazon-Rezension oder einem Wikipedia-Eintrag, statt im Buchgeschäft um die Ecke sich beraten zu lassen oder gar im Kindler zu blättern? Mit Shortbooks, Abstracts und Reviews läßt sich die Lektüre auswählen, vorbereiten oder gleich ganz vermeiden.
Geht es also der Literatur an den Kragen, oder eröffnet solche "Lektüre aus zweiter Hand", das Bypassen primärer Texte, nicht ihrerseits einen Fundus an Möglichkeiten für die Literatur, fürs literarische Schreiben? Fungiert vielleicht gar als literarischer Bypass? Kann Rezensieren nicht auch seinerseits fruchtbar sein? Als Miniatur, die die Besprechung ins Notwendige, Stringente, Abgeschlossene zwingt? Als lustvolles Mäandrieren zwischen Textschau und Textkritik mit gehörigem Schuß Erzählfreude? Als sprachliches Experiment, Imitat oder anekdotisch verquickte Fiktion?
Heute abend will Björn Dade eine Handvoll Bücher rezensieren, exzerpieren, subsumieren, darin stöbern und vielleicht die eine oder andere bibliophile Rarität und literarische Kuriosität hervorkramen. Denn es steht noch aus, wieviel Rezension die Literatur verträgt. Und wie sie damit umgeht. Und ob die Besprechung als Bypass überhaupt taugt.
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